Vuvuzelas – der unfreiwillige Markensound der WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist in diesen Tagen allgegenwärtig und kein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Vuvuzela. Das Blasinstrument, das mit bis zu 125 dB(A) zu den lautesten „Anfeuerungsinstrumenten“ der Sportgeschichte zählt und vergleichbar mit einem Düsenjet im Probelauf ist, spaltet Fans, Spieler und Medien wie kein anderes Thema. Zwar ist der hiesige Fangesang in den Bundesligastadien mit bis zu 120 dB(A) nicht minder leiser, aber das sehr breite Frequenzspektrum der Vuvuzela von 220 Hz bis 15000 Hz führt zur Überlagerung anderer Signale und zu einem subjektiven Störempfinden. Die verschiedenen Längen der Vuvuzelas erzeugen zudem unterschiedliche Tonhöhen, die daraus entstehenden sogenannten Cluster werden als langanhaltende und flächendeckende Geräuschkulisse wahrgenommen. Da die Vuvuzelas im Gegensatz zum üblichen Fangesang völlig unabhängig vom Spielverlauf und dessen Spannung über die ganzen 90 Minuten eingesetzt werden, wird der Eindruck einer monotonen Dauerbeschallung noch verstärkt.

Manch einer mag dies als Fest für die Neue Musik à la Stockhausen und Ligeti, als „Ein-Ton-Symphonie der Zigtausend“ feiern (Der Tagesspiegel, 15.06.2010), aber eine Vielzahl von Menschen fühlt sich doch eher belästigt. Wahlweise wird die Vuvuzela mit Hornissenschwärmen, Elefanten-Tröten oder Motorsägen verglichen. Die Fans im Stadion holen sich Ohrenstöpsel, damit sie keinen Gehörschaden erleiden. Die Spieler beschweren sich, dass sie sich auf dem Spielfeld nicht verständigen können. Die Fernsehanstalten werden mit Beschwerden der Zuschauer überhäuft, die von der Dauerbeschallung genervt sind. Anti-Vuvuzela-Gruppen auf Facebook, unzählige Tweets über das nervige Dauergeräusch bei Twitter, Forderung eines „Tröööt-Verbots“ durch die Bild-Zeitung – die Anti-Vuvuzela-Front ist groß. Nachdem jedoch ein Vuvuzela-Verbot abermals von der FIFA abgelehnt wurde und es zurzeit unwahrscheinlich erscheint, daß sich dies noch ändern wird, haben die Fernsehanstalten hierzulande zumindest reagiert und einen Vuvuzela-Filter vorgeschaltet, der den unbeliebten Dauerton so gut es geht unterdrückt. Auch im Netz sind viele Vuvuzela-Filter kostenlos herunterzuladen.

Verteidiger der Vuvuzela verweisen immer wieder auf die Kulturhistorie des Instruments, sie sei ein fester Bestandteil der afrikanischen Fußballkultur, die es zu respektieren gelte. Zwar wurden die ersten Vuvuzelas aus Blech tatsächlich bereits in den 90er Jahren entwickelt, aber erst als das südafrikanische Unternehmen Masincedane Sport, gefördert durch den Südafrikanischen Fußballverband, im Jahre 2001 die Massenproduktion aus Kunststoff begann, entwickelte sich die Vuvuzela mehr und mehr zum Massenphänomen in den südafrikanischen Fußballstadien. Bis zum Vorjahr war die Vuvuzela zudem ein fast ausschließlich südafrikanisches Phänomen, von einer gesamtafrikanischen Tradition kann man also kaum sprechen. Ethnologen sprechen von einer „Invention of Tradition“, die Vuvuzela sei eine reine Marketingerfindung, die als tradierte Kultur verkauft wird.

Wie immer man zu dem Thema stehen mag, Fakt ist, dass die Vuvuzela ein realer Bestandteil dieser WM ist, sie ist de facto und unüberhörbar Teil der Südafrikanischen Fußballkultur. Der Sound der Vuvuzela beschallt dabei nicht nur die WM-Spiele, sondern er strahlt auch auf das ganze Ereignis WM ab. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man sich der Vormacht der optischen Medien bewusst ist. Jeder, der sich die WM anschaut, wird diesen Sound kennen und jeder, der diesen Sound hört, wird an diese WM denken. Sie ist somit zum Symbol dieser WM geworden oder wenn man genauer sein möchte – sie ist zum unfreiwilligen Markensound dieser WM geworden.

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