Artikel-Schlagworte: „The Occurrence“

Jeff Mills – The Occurrence

Montag, 16. August 2010

Techno-Legende Jeff Mills ist sicher einer der innovativsten Musikproduzenten und DJs dieser Zeit. Als Teil von Underground Resistance hat er den Techno-Sound aus Detroit entscheidend geprägt. Mit seinen Solo-Projekten und Labels wie Axis Records oder Purpose Maker ist er auch nach 20 Jahren immer noch einer der einflussreichsten Figuren der Technoszene. Musikalisch versucht er dabei stets neue Wege zu gehen und seine Soundstrukturen und –konzepte immer weiter zu entwickeln. Dabei sieht er die Musik nie losgelöst von seiner Peripherie, sondern auch immer als möglichen Teil von etwas anderem. So sind auch seine Bemühungen zu sehen, neben neuen Sounds auch neue oder alternative Formen der Musikspeicherung, – präsentation, -nutzung, -konsumierung oder einfach des Musikerlebens zu entwickeln und seine Musik nicht nur in traditionelle Kontexte zu stellen – sei es seine DVD „Exhibitionist“, die seine DJ-Kunst durch verschiedene interaktiv steuerbare Kameraperspektiven visualisiert hat, seine Neuvertonung des Fritz Lang Stummfilm-Klassikers „Metropolis“ oder das Projekt „Blue Potential“, das er anlässlich des UNESCO-Weltkulturerbes Pont du Gard mit einem Orchester verwirklicht hat.

Einen innovativen Weg geht er nun auch mit seinem neuen Album „The Occurrence“. Das Album, das Teil der auf einer Science Fiction Story basierenden „The Sleepers Wakes“-Reihe ist, erscheint in der limitierten Edition auf einer Hybrid-CD, die er zusammen mit dem Designer Yuri Suzuki und dem Schallplattenhersteller Optima Discs entwickelt hat. Die eine Seite ist eine Vinylpressung – abspielbar auf einem Plattenspieler, die andere eine ganz normale CD. So wie das Album laut Jeff Mills ein Hybrid zwischen Science Fiction und Techno sein soll, so ist auch das Abspiel-Format und die Technologie ein Hybrid, das dem Hörer neue, ungewohnte Optionen bietet, wie er die Musik genießen kann.

So sehr seine Musik und Technomusik im Allgemeinen scheinbar nur dem Fortschritts- und Technologiegedanken unterworfen ist, so kritisch steht Jeff Mills dem allen gegenüber und verweist in Interviews darauf, dass den Menschen durch die immer größere Abhängigkeit von Technologie der Sinn für menschliche Gefühle abhandenkomme. Dass er nun ein derart haptisches und ästhetisch schönes Release veröffentlicht, das die analoge Seite mit der digitalen vereint, darf deshalb auch als Zukunfts- und Technologiekritik und ein wunderbares Statement in Zeiten von körperlosen MP3s gesehen werden.

http://www.axisrecords.com/