Saturn verpflichtet US-Trash-Rocker Alice Cooper für millionenschwere Kampagne
Samstag, 24. Oktober 2009
Um Gottes Willen… was ist denn nur mit Saturn los? Erst tauscht man den etablierten Werbeslogan „Geiz ist geil“ gegen „wir hassen teuer“ aus (warum ein neuer Claim, wenn es nichts Neues zu sagen gibt?). Und nun schickt man nach zehn Jahren endlich den ausgedienten Androgyn-Schreihals „Blu“ (Sarah Kickuth-Latraverse) in Rente – und was findet man stattdessen ganz tief unten in der Testimonial-Mottenkiste?? Den US-Trash-Rocker Alice Cooper! Mal ganz ehrlich, was soll denn das?
“Wir haben eine krasse Persönlichkeit für die Weltraumbar gesucht”, zitiert man eine Saturn Unternehmenssprecherin. Der US-Sänger verkörpere zweierlei: “Er ist ein starker Schauspieler und eine schillernde Persönlichkeit. Das passt.” Die federführende Agentur Scholz & Friends setzen noch einen drauf und prophezeien „Emotionen und Sympathie“. Emotionen ja, aber Sympathie…? Alice Cooper ist mit seinen 61 Jahren leider ein Relikt aus den Zeiten, als es noch kein Internet gab, der letzte Top Ten Hit liegt 20 Jahre zurück. Damals sorgten satanisch angehauchte Bühnenshows mit Folterkammer, Kunstblut und Riesenschlange für kalkulierte Aufschreie. Heute schockt das ungefähr so wie ein „Parental Advisory“ Sticker.
Um die Verwirrung zu komplettieren setzen die Macher der Kampagne (insgesamt gibt es acht Spots) nicht auf Shocking. Der preisgekrönte Regisseur Alex Feil und die Hamburger Produktionsfirma Element E sehen in Alice Cooper scheinbar eher den verkannten Komiker und versuchen an dessen schauspielerische Leistung Anfang der Neunziger (z.B. “Wayne’s World”) anzuknüpfen.
Ob dies gelungen ist, beurteilt am besten jeder selbst. Die Clips, die allesamt in einer Astro-Bar im Orbit des Planeten „Saturn“ spielen, findet man ab heute auf www.coopersbar.de.
Unabhängig vom fragwürdigen Ansatz läutet die Kampagne einen Strategiewechsel im Hause Saturn ein: Saturn hat nämlich den E-Commerce erst im Jahr 2008 entdeckt und versucht nun erstmals die Kunden mit einer internetlastigen Kampagne auf seine Homepage zu locken. Ein überfälliger Gedanke, jedoch landen die Kunden ja leider nicht auf saturn.de sondern eben auf „Cooper´s Bar“. Und wenn schon Online, dann doch wenigstens einen Hauch von Kundenbindungsdialog („Prospekt per E-Mail“ o.ä.).
Fazit: “Geiz ist geil” zielte mit Millionenbudgets auf Konsumenten, denen der Preis wichtiger ist als die Werte dahinter. So gesehen ist Alice Cooper vielleicht doch nur der logische nächste Schritt. Die Kids von heute werden trotzdem nur hilflos mit den Achseln zucken.
Nachtrag: Vielleicht hätten sich die Macher der Saturn-Kampagne vorher mal die diesjährige Sony Bravia UK-Kampagne “don´t throw your tv” (TBWA / London) anschauen sollen?! Alice Cooper spielt sich selbst und wirkt inmitten seiner alten Weggefährten, Roadies und Manager völlig authentisch und sympathisch.